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Flexible Prüftechnik unterstützt ambitionierte Zielsetzung

50Hertz verfolgt das Ziel, im Jahr 2032 den Stromverbrauch in seinem Netzgebiet über das Jahr gerechnet (also bilanziell) zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien (EE) zu decken. Die praktische Umsetzung geht unter anderem einher mit der Digitalisierung der Zähltechnik, während der Messstellenbetrieb zugleich eine Ausweitung der notwendigen Prüfaufgaben mit sich bringt. Flexible Lösungen und Schulungsangebote von EMH unterstützen die technischen Anpassungen.

 

Als Übertragungsnetzbetreiber sichert die 50Hertz Transmission GmbH die Stromversorgung der ostdeutschen Flächenländer sowie der Stadtstaaten Hamburg und Berlin mit insgesamt rund 18 Millionen Einwohnern. Bei einer Stromkreislänge von insgesamt mehr als 10.000 Kilometern stellt das Unternehmen Transportkapazitäten für Höchstspannungen von 150, 220 und 380 kV zur Verfügung. 74 Umspannwerke und Schaltanlagen werden für die Übergabe der Energie an die Betreiber der angeschlossenen Hochspannungs-Verteilnetze eingesetzt, darüber hinaus sind auf der Abnehmerseite besonders energieintensive Industriebetriebe wie zum Beispiel drei Stahlwerke direkt mit dem Hauptnetz verbunden.

Die Zusammenarbeit mit EMH reicht zurück bis ins Jahr 1992, als der Netzbetreiber als Bereich noch der Vereinigte Energiewerke AG (VEAG) angehörte. Den Anfang machte eine stationäre Prüfstation auf MS-DOS-Basis, mit vier Zählerkreuzen und umschaltbaren Einschubplätzen für Zähler mit WAGO- bzw. Essailec-Steckern. Über die Jahre wurde das System immer wieder ergänzt und modernisiert. Daneben nutzt der Netzbetreiber mit Hauptsitz in Berlin auch tragbare Geräte, von EMH sind es aktuell neun dreiphasige Arbeitsnormale vom Typ PWS 2.3 genX. Für Vor-Ort-Prüfungen koordiniert 50Hertz über fünf Regionalzentren von der Berliner Zentrale aus ein Team aus gut einem Dutzend Zählermonteuren.

Durch Umsetzung regulatorischer und umlagebedingter Anforderungen, bauen zahlreiche Partner von 50Hertz (Verbraucher oder Erzeuger) kontinuierlich neue Zählstellen auf. Beispielsweise werden EEG-bedingt die unterschiedlichen Arten des Energiebezugs räumlich und verwaltungstechnisch voneinander getrennt erfasst. Als Messstellenbetreiber verantwortet das Unternehmen den Einbau der Zähltechnik sowie die Inbetriebnahme und den Betrieb der Zählstellen inklusive der regelkonformen Überprüfung von Anlagen und Messeinrichtungen. Für die Zusammenarbeit von 50Hertz und EMH bedeutet das unter anderem eine fortlaufende Anpassung der stationären Prüftechnik. Ein Beispiel dafür ist die Ergänzung des vorhandenen Systems um einen dreiphasigen Stromtrennwandler vom Typ ICT 2.3, der über die Bereitstellung eines isolierten Prüfstroms die Trennung von Spannungs- und Strompfad auch bei geschlossenen Eichverbindungen ermöglicht.

„Die Neuausrichtung von Versorgungsnetzen im Rahmen der Energiewende ist eine komplexe Aufgabe, die allen Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität abverlangt“, sagt EMH-Geschäftsführer Karsten Schröder. Neben der Lieferung der nötigen Hardware widme sich EMH auch der fortlaufenden Schulung des kundenseitigen Bedienpersonals. „In der praktischen Umsetzung des EEG müssen unzählige technische Regelwerke verändert oder auch völlig neu geschaffen werden“, stellt Schröder fest. „Zugleich müssen Messstellenbetreiber im Alltag mit weiterhin vorhandenen, klassischen Zählerinstallationen wie auch mit modernen digitalen Systemen gleichermaßen gut zurechtkommen. All das unter einen Hut zu bringen, erfordert einen intensiven und kontinuierlichen Informationsaustausch, dem wir in der Prüftechnik verstärkt mit kundenspezifischen Lehrgängen begegnen.“

Umfassende Datenbasis macht das Smart Grid transparent

Neues Mess- und Monitoringsystem von EMH und BeEnergy erleichtert Verteilnetzbetreibern Übergang zum Redispatch 2.0.

Was auch immer an Informationen zur Stabilität von Verteilnetzen erforderlich ist: Das Smart Grid Interface Modul (SGIM) von EMH und BeEnergy SG liefert die notwendigen Daten. Schnell und kostengünstig in Ortsnetzstationen oder Kabelverteilschränke integriert, erlaubt das ab sofort lieferbare System das umfassende Monitoring von Energieflüssen und sorgt bei Lastschwankungen für eine klare Entscheidungsgrundlage.

Mit dem Redispatch 2.0 müssen Verteilnetzbetreiber spätestens ab 1.Oktober 2021 in der Lage sein, sich an der Behebung von Engpässen in den vorgelagerten Netzen zu beteiligen. Parallel dazu zeichnet sich durch die verstärkte Stromeinspeisung aus Erneuerbare-Energien-Anlagen (EE-Anlagen) und erwartete Zuwächse in der E-Mobilität ab, dass sich der Schwerpunkt des Engpassmanagements nach und nach von den Übertragungsnetzen auf die Verteilnetze verlagern wird. Damit Verteilnetzbetreiber die vom Gesetzgeber geforderte Netzstabilität jederzeit gewährleisten können, müssen relevante Daten künftig weit über die vorhandenen Messpunkte hinaus kontinuierlich erfasst und ausgewertet werden.

Konzipiert von BeEnergy SG und weiterentwickelt mit Unterstützung von EMH, sorgt das Smart Grid Interface Modul SGIM nun „auf der letzten Meile“ für Transparenz. Als Installationsplattform dient ein 100mm breites Modul, das unterbrechungsfrei in das 185mm-Sammelschienensystem integriert werden kann. Das SGIM selbst bietet Platz für bis zu sieben Ausbaustufen, die individuell bestückt werden können und über den Einsatz von Rogowski-Spulen oder Stromwandlern von NH Sicherungs-Schaltleisten die 3-phasige Überwachung von bis zu 14 Niederspannungsabgängen erlauben. Als Module stehen beispielsweise Messsysteme zur Strom- und Spannungsmessung sowie zur Analyse der Netzfrequenz, der Leistung und Energie und künftig auch der Netzqualität zur Verfügung. Zusätzlich erlaubt das SGIM die Integration von maximal drei weiteren Funktionsmodulen, die der Datenübertragung aller Messwerte via LAN, LWL oder LTE an die zugeordnete Netzleitstelle dienen.

Beispiele für den Einsatz von SGIM-Installationen sind der Aufbau leistungsfähiger Last-Management-Systeme im Rahmen örtlicher Netze mit einer hohen Dichte an E-Ladestationen oder die Überwachung von Gebieten mit einer Vielzahl an kleineren EE-Anlagen und einer entsprechend höheren Anfälligkeit gegenüber kurzfristig auftretenden Lastschwankungen. Die in einem Smart Grid erfassten Daten können dank der SGIM-Software über Standardprotokolle in alle gängigen Systeme der Schaltanlagen- und Netzleittechnik eingebunden und nahtlos in den jeweiligen Netzleitsystemen verarbeitet werden. Ein Webinterface erlaubt darüber hinaus auch Auswertungen auf beliebigen Endgeräten direkt an der SGIM-Installation.

Gebündelte Kompetenz für Stromnetze der Zukunft

Kooperation von EMH und BeEnergy SG stärkt Digitalisierung von Mess-und Prüftechnik für die Energieversorgung

 

(Brackel, April 2021) Mit einer umfassenden Kooperation wollen EMH und BeEnergy SG die gemeinsamen Kompetenzen insbesondere im Bereich der Energiemesstechnik für Niederspannungsnetze nachhaltig absichern und weiter ausbauen. Den Anfang machen die Bündelung der Vertriebsaktivitäten und die Weiterentwicklung eines modular aufgebauten Systems zur Erfassung und Analyse der Zustandsdaten innerhalb von Smart-Grid-Umgebungen.

Während EMH mit Sitz im niedersächsischen Brackel zu den weltweit führenden Anbietern von Prüftechnik für die Energieversorgung zählt, verfügt BeEnergy SG über spezifisches Know-how für die Datenkommunikation innerhalb von komplexen Versorgungsnetzen. Die BeEnergy SG GmbH wurde 2018 mit Sitz im hessischen Pohlheim gegründet und präsentierte 2019 mit dem Smart Grid Interface Modul (SGIM) eine kostengünstige und leicht installierbare Lösung zur kontinuierlichen Überwachung dynamischer Lasten in lokalen und regionalen Verteilnetzen.

Das SGIM-Konzept wird nun im Rahmen der Kooperation mit EMH weiter verfeinert, außerdem verstärkt EMH künftig den Vertrieb der Produkte von BeEnergy SG in Deutschland und Österreich.

„Die zunehmende Digitalisierung der Versorgungsnetze erfordert profundes Wissen hinsichtlich der Übertragung von Messdaten in die unterschiedlichen Systeme der Netzleittechnik“, sagt EMH-Geschäftsführer Karsten Schröder. „Für die Kooperation von EMH und BeEnergy SG ergeben sich daraus Synergien etwa im Monitoring von Infrastrukturen oder in der E-Mobilität, die wir zum Nutzen unserer Kunden gemeinsam in verbesserte und neue Produkte und Dienstleistungen umsetzen werden.“