Der Solarmarkt in Deutschland

Vor einiger Zeit haben wir in einem Blog-Artikel Zahlen, Daten und Fakten über den deutschen Windkraftmarkt veröffentlicht. Nachdem die Resonanz auf diesen Artikel positiv war und wir hier auf Interesse gestoßen sind, haben wir Ihnen nachfolgend einige Informationen zum Solarmarkt in Deutschland aufbereitet. Dieses Thema genießt ebenfalls gerade eine breite politische und wirtschaftliche Aktualität, auch deswegen wollen wir hier Fakten nennen, natürlich ergänzt um Meinungen und Einschätzungen von Teilnehmern aus der Branche.

Im Jahr 2001 hat die German Consulting Group eine Umfrage unter 89 Führungskräften und leitenden Angestellten aus den Bereichen Herstellung, Betrieb und Projektierung durchgeführt. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, aber der Umstand, dass nur 2% der Befragten die wirtschaftliche Entwicklung des Solarmarktes in Deutschland als sehr gut, bzw. 6% als gut eingestuft haben, hat dennoch eine gewisse Aussagekraft. Insgesamt 59% der Befragten stufen die Entwicklung als schlecht oder sogar sehr schlecht ein.

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Dabei hat die Photovoltaik im Jahr 2011 mit rund 43% nach wie vor den größten Umsatzanteil innerhalb der Branche der erneuerbaren Energien, bei einem Gesamtmarktvolumen von etwa 25 Mrd. Euro. Eine Gesamtübersicht bietet die nachfolgende Grafik.

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Dennoch breitet sich innerhalb der Branche zunehmend eine Katerstimmung aus. Dies hat im Kern zwei Ursachen, zum einen die echte oder augenscheinliche Reduktion der Branchensubventionen. Zum anderen der wachsende Konkurrenzdruck. Die erste Ursache mutet dabei ein Stück weit vorgeschoben an, wenn man berücksichtigt, dass die durch Einspeisevergütungen erzielten Subventionen der Branche mindestens bis 2013 auf über 75 Mrd. Euro weiter ansteigen werden. Das entspricht gegenüber dem Stand von 2011 einer Steigerung von ungefähr 25% und geht einher mit einer Zunahme der installierten Leistung, die nach wie vor ungebrochen ist. Gleichzeitig genießt die Solarenergie in Deutschland eine Zustimmung von mehr als 75% der Bevölkerung, auch diese ist ungebrochen.

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Weit schwerer wiegen dürfte deswegen die zweite Ursache, das Erstarken der internationalen Konkurrenz, insbesondere aus China. China selbst belegt zwar im Jahr 2011 nur den sechsten Platz im Länder-Ranking (nach installierter Photovoltaikleistung) und Deutschland belegt weiter unangefochten den Spitzenplatz, mit 24,7 Gigawatt installierter Nennleistung. Aber China hat als Lieferant substanziell aufgeholt und Deutschland inzwischen deutlich verdrängt.

Im Jahr 2004 lag der Anteil Deutschlands am weltweiten Solar-Umsatz bei 69% und der von China bei 7%. Im Jahr 2010 haben sich die Kräfteverhältnisse deutlich verändert, China führt den weltweiten Markt mit einem Anteil von 45% inzwischen an, der Anteil Deutschlands hat sich auf 21% reduziert. Nun muss das in einem signifikant wachsenden Markt nicht unbedingt bedeuten, dass die deutschen Anlagenhersteller und Projektierer weniger verdienen, aber es zeigt den immensen Druck der im Markt herrscht.

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Weitere Prognosen gehen davon aus, dass der Anteil der deutschen Solarmodulproduktion in den kommenden Jahren weiter zurückgehen wird, auf 12 % im Jahr 2020. Im Rahmen der oben bereits erwähnten Befragung durch die German Consulting Group gaben übrigens 43 % der Befragten an, dass Einfuhrbeschränkungen gegen ausländische, insbesondere asiatische Importe kurz- bzw. mittelfristig errichtet werden sollten. 34% gaben an, dass solche Beschränkungen zumindest geprüft werden sollten. Hier scheint der Gedanke vorzuherrschen, dass man, wenn man international nicht mehr konkurrenzfähig ist, sich zumindest den nationalen Markt sichern will. Vermutlich eine sehr kurzfristige Betrachtung. Die Dramatik der Gesamtsituation wird vielleicht auch daran deutlich, dass von neun führenden und in Deutschland notierten Unternehmen der Solarbranche nur zwei Unternehmen mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz erzielt haben und ebenfalls nur zwei Unternehmen einen Gewinn. Dabei gibt es nur einen einzigen Player, der sowohl bei Umsatz als auch Gewinn führend ist. Nahezu alle anderen Anbieter haben mit ihren Geschäften im Jahr 2011 Verluste erzielt und tuen das zum Teil auch bereits seit Jahren.

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Wir sind sehr gespannt, ob den technologisch zwar vielfach führenden deutschen Unternehmen gelingen wird, sich profitabel in diesem Markt zu behaupten. Wir wünschen es Ihnen natürlich, Einfuhrbeschränkungen allein werden aber wohl kaum als Mittel helfen, hier ist die Quadratur des Kreises gefragt, um Technologie-, Qualitäts- und Kostenführerschaft gleichermaßen zu erreichen.