Der Windkraftmarkt in Deutschland

In unserem Energie-Blog möchten wir auch immer wieder interessante Inhalte veröffentlichen, die nicht direkt mit unseren Produkten und Leistungen zu tun haben, aber eine Relevanz für unsere Branche. Der Themenkomplex der erneuerbaren Energien hat diese Relevanz in jedem Fall. Er betrifft viele unserer Kunden aus den Bereichen der Energieversorgung und Energiedienstleistung unmittelbar. Und da wir ja von Haus aus zur Genauigkeit neigen, geht es uns bei der Vorstellung des Themas „erneuerbare Energien“ auch nicht um Meinungen und Bewertungen, sondern um einzelne Fakten.

Interessant dabei ist aus unserer Sicht beispielsweise, dass gerade in den beiden Jahren 2010 und 2011 viele Diskussionen um den Aufbau neuer Windkraftanlagen öffentlich geworden sind, bei denen es etwa um so spezifische Fragen ging wie die, ob die Schlagschatten der Rotoren Auswirkungen auf den Lebensraum von Pflanzen und Tieren haben, oder ob die Menge neuer Anlagen ganz platt gesagt „die Landschaft verschandelt“.

Dieser öffentlichen Diskussion gegenüber stehen die statistischen Fakten, dass die Anzahl der Onshore-Winkraftanlagen in Deutschland lediglich um etwa 300 Anlagen gestiegen ist. Den Höhepunkt der Errichtung hatten wir in Deutschland bereits in den Jahren 2000 bis 2003 erreicht. Hier entstanden jährlich zwischen 1.600 und 2.300 neuen Anlagen.

Ebenfalls interessant in diesem Zusammenhang ist die Entwicklung der Nennleistung dieser Anlagen. Denn stieg zwar die Zahl der Anlagen von 2010 zu 2011 nur um etwa 300 Anlagen, so stieg damit doch die Nennleistung um knapp 2.000 MW. Im Vergleich dazu stieg die Zahl der Anlagen von 2001 auf 2002 um rund 2.300, die Nennleistung jedoch nur um 3.200 MW.

Im Jahr 2009 wurden in Deutschland rund 900 neue Anlagen errichtet, im Jahr 2010 waren es etwa 600 neue Anlagen. Dies entspricht einem Rückgang um mehr als 30 %. Gleichzeitig beliefen sich die Umsätze aller weltweiten Windenergieanlagenhersteller in Deutschland im Jahr 2009 auf rund 5,25 Mrd. Euro, im Jahr 2010 auf etwa 4,97 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 1,5%. Insgesamt haben die weltweiten Hersteller sowohl 2009 als auch 2010 rund ein Siebtel Ihrer Umsätze, insgesamt etwa 35 Mrd. Euro, in Deutschland erzielt.

Im Jahr 2011 wurden – gemessen an der Leistung – in China rund 26% aller neuen Anlagen weltweit in Betrieb genommen, in den USA knapp 20% und in Deutschland rund 12%.

Die wichtigsten Fakten nachfolgend in der grafischen Übersicht

Entwicklung-der-Anzahl-von-WindkraftanlagenKumulierte-Nennleistung-aller-AnlagenWichtigste-Länder-150x150

Installierte-WindenergieleistungMarktanteile-der-weltgrößten-ProduzentenAnzahl-Windenergieanlagen-der-Verteilnetzbetreiber-150x150

Nach wie vor führt Europa vor Asien und Nordamerika bei der kumulierten Gesamtleistung. Der Abstand gegenüber Nordamerika bleibt dabei weitgehend konstant, der Abstand gegenüber Asien schrumpft von Jahr zu Jahr. Der Drache holt auf.

Bei dieser Entwicklung lohnt es sich einen Blick auf die weltweiten Marktanteile (nach neuinstallierter Kapazität) der Hersteller, ebenfalls kumuliert nach den Regionen, zu werfen. Im Jahr 2010 war die dänische Vestas nach wie vor der weltweit größte Windenergieanlagenhersteller, mit einem Marktanteil von gut 15%. Platz zwei und drei belegen GE (USA) und Goldwind (China). Kumuliert ergibt sich folgendes Bild unter den Top 10 der weltweiten Hersteller:

  • Die vier größten asiatischen Hersteller erzielen zusammen einen Marktanteil von knapp 28%.
  • Die vier größten europäischen Anbieter erzielen einen Marktanteil von knapp 33%, wobei knapp die Hälfte dieses Marktanteils der dänischen Vestas zuzurechnen ist.
  • Unter den Top 10 Anbietern ist mit GE nur ein einziges amerikanisches Unternehmen.

Bis jetzt haben wir uns auf die Hersteller und die Leistung der Anlagen konzentriert, interessant ist es aber auch zu betrachten, wem diese Anlagen gehören und wer diese Anlagen betreibt. Ausgehend von knapp 21.500 Anlagen, die in Deutschland Anfang des Jahres 2011 betrieben wurden, ergibt sich ein Anteil von rund 76 % deren Eigner Verteilnetzbetreiber sind. Die Top 5 sind hierbei E.ON edis AG, E.ON Hanse AG, EWE AG, envia Verteilnetz GmbH und E.ON Avacon AG.

An dieser Stelle wird deutlich, wie hochgradig professionalisiert der gesamte Windenergiemarkt heute bereits ist. Die Errichtung und der Betrieb dieser Anlagen ist zumindest kein von Privatleuten oder Öko-Aktivisten dominiertes Feld (mehr).

In einem unserer nächsten Artikel werden wir den Solarmarkt beleuchten. Ihre Ideen und Anregungen nehmen wir gern auf.